Von Tanja Knob, Director of Communications, ICF Austria. Aktualisiert am 8. Oktober 2026.
Coaching ist kein geschützter Begriff. Wer einen Coach sucht, ob für sich selbst, für Führungskräfte oder für ein ganzes Unternehmen, braucht deshalb Kriterien, die sich überprüfen lassen. Gutes Coaching erkennt man an fünf Merkmalen: einer fundierten Ausbildung, einer geprüften Zertifizierung, einem verbindlichen Ethikkodex, einem unabhängigen Beschwerdeverfahren und laufender Weiterbildung.
Warum die Frage wichtig ist
Die öffentliche Diskussion über die Coaching-Branche ist in den letzten Monaten lauter geworden, unter anderem durch eine kritische Sendung auf ProSieben (Thilo Mischke, abrufbar auf Joyn). Im Zentrum standen Geschäftsmodelle, die mit den Grundprinzipien professionellen Coachings nur bedingt vereinbar sind: überzogene Erfolgsversprechen, intransparente Leistungsinhalte und unangemessen hohe Preise.
Als ICF Austria begrüßen wir eine differenzierte öffentliche Auseinandersetzung mit der Branche. Sie schafft Orientierung und sensibilisiert Klient:innen ebenso wie angehende Coaches für Qualitätsunterschiede in einem schnell wachsenden Markt.
Gleichzeitig ist uns wichtig, klar zu unterscheiden. Professionelles Coaching ist eine fundierte, evidenzbasierte und praxisbewährte Methode. Es unterstützt Menschen dabei, ihr Potenzial zu entfalten, reflektierte Entscheidungen zu treffen und komplexe Herausforderungen wirksam zu bewältigen.
Fünf Kriterien, an denen Sie gutes Coaching erkennen
1. Fundierte Ausbildung
Der Aufbau coachender Kompetenz erfordert Zeit, eine strukturierte Ausbildung, begleitete Praxis und persönliche Reifung. Seriöse Ausbildungsprogramme haben transparente Rahmenbedingungen, klar definierte Lernziele, nachvollziehbare Inhalte und realistische Entwicklungspfade. Angebote, die Coaching als kurzfristig erlernbares Geschäftsmodell darstellen, erfüllen diesen Anspruch nicht.
2. Geprüfte Zertifizierung
International anerkannte Zertifizierungen machen Qualifikation überprüfbar. Die ICF vergibt drei Stufen: Associate Certified Coach (ACC), Professional Certified Coach (PCC) und Master Certified Coach (MCC). Jede Stufe setzt Ausbildung, nachgewiesene Coaching-Praxis und eine Prüfung voraus. Mehr dazu auf unserer Seite zur Zertifizierung. Zertifizierte Coaches in Österreich finden Sie im Coach Finder.
3. Verbindlicher Ethikkodex
ICF-Mitglieder und zertifizierte Coaches verpflichten sich auf den ICF Code of Ethics. Die aktuelle Fassung gilt seit 1. April 2025. Sie regelt unter anderem klare Vereinbarungen mit Klient:innen und Auftraggebern, Vertraulichkeit, den Umgang mit Interessenkonflikten und professionelle Integrität. Neu aufgenommen wurde ein Standard zum Einsatz von Technologie und künstlicher Intelligenz im Coaching.
4. Unabhängiges Beschwerdeverfahren
Ein Ethikkodex ist nur so viel wert wie seine Durchsetzung. Die ICF unterhält dafür ein formales Verfahren, den Ethical Conduct Review. Klient:innen, Kolleg:innen und andere direkt Beteiligte können innerhalb eines Jahres Beschwerden gegen ICF-Mitglieder und zertifizierte Coaches einbringen. Ein unabhängiges Gremium, das Independent Review Board, prüft den Fall. Stellt das Gremium einen Verstoß fest, wird mit dem Coach ein verbindlicher Lernplan vereinbart. Wer die Feststellungen nicht anerkennt, verliert Mitgliedschaft oder Zertifizierung.
5. Laufende Weiterbildung und Reflexion
Eine ICF-Zertifizierung gilt nicht auf Dauer. Sie muss alle drei Jahre erneuert werden. Voraussetzung sind 40 Einheiten anerkannter Weiterbildung, darunter verpflichtend Coaching-Ethik. Dazu kommen Supervision und kollegiale Reflexion als fester Bestandteil professioneller Praxis.
Woran Sie unseriöse Angebote erkennen
- Versprechen von schnellem Reichtum, sofortiger Skalierbarkeit oder garantierten Ergebnissen
- Unklare Leistungsinhalte und fehlende schriftliche Vereinbarungen
- Zeitdruck beim Vertragsabschluss und sehr hohe Vorauszahlungen
- Qualifikationen, die sich nicht bei einem unabhängigen Verband überprüfen lassen
- Kein Hinweis auf Ethikrichtlinien oder eine Beschwerdestelle
Was die Forschung zur Wirksamkeit sagt
Coaching ist wissenschaftlich gut untersucht. Eine Metaanalyse von 17 Studien zeigt positive Effekte von Coaching im Arbeitskontext auf Lernen und Leistung (Jones, Woods und Guillaume, 2016). Eine weitere Metaanalyse über 27 Stichproben mit 3.563 Coaching-Prozessen belegt, dass die Qualität der Arbeitsbeziehung zwischen Coach und Klient:in deutlich mit den Ergebnissen zusammenhängt (Graßmann, Schölmerich und Schermuly, 2020). Eine gute Arbeitsbeziehung geht zudem mit weniger unerwünschten Nebenwirkungen einher.
Für die Auswahl heißt das: Neben der formalen Qualifikation zählt die Passung. Ein unverbindliches Erstgespräch ist deshalb ein sinnvoller Schritt.
Fünf Fragen für das Erstgespräch
- Welche Coaching-Ausbildung haben Sie absolviert, und ist sie von einem Verband anerkannt?
- Welche Zertifizierung haben Sie, und wo kann ich sie überprüfen?
- Auf welchen Ethikkodex haben Sie sich verpflichtet, und an wen kann ich mich bei einer Beschwerde wenden?
- Wie bilden Sie sich weiter, und nehmen Sie Supervision in Anspruch?
- Wie sehen Ablauf, Umfang, Kosten und Vertraulichkeit konkret aus?
Informationen zum rechtlichen Rahmen finden Sie auf unserer Seite Coaching als Gewerbe.
Qualität ist eine gemeinsame Aufgabe: der Round Table Coaching & Supervision
Qualität im Coaching lässt sich nicht im Alleingang sichern. Deshalb treffen sich fünf Organisationen regelmäßig zum Round Table Coaching & Supervision: ACC Austrian Coaching Council, ICF Austria, Österreichischer Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP), ÖVS Österreichische Vereinigung für Supervision, Coaching und Organisationsberatung und die Expertsgroup WirtschaftsTraining & -Coaching.
Im Oktober 2026 war ICF Austria Gastgeber des Treffens in den Räumlichkeiten von Canon in Wien. Die Verbände kommen aus unterschiedlichen Traditionen und arbeiten an derselben Frage: Woran können Unternehmen und Privatpersonen in Österreich gutes Coaching erkennen? Nachvollziehbare Ausbildungswege, geprüfte Zertifizierungen, ein Ethikkodex mit Beschwerdeverfahren und verpflichtende Weiterbildung tragen Vertrauen dann, wenn sie über Verbandsgrenzen hinweg verstanden und anerkannt werden.
Unser Beitrag als ICF Austria
ICF Austria steht für klar definierte Ethikrichtlinien, international gültige Kompetenzmodelle und strukturierte Zertifizierungsprozesse. Unsere Mitglieder verpflichten sich zu diesen Standards und zu kontinuierlicher professioneller Weiterentwicklung. Wir sehen es als unsere Verantwortung, Orientierung zu geben, Qualität sichtbar zu machen und die Profession Coaching aktiv weiterzuentwickeln.
Für weiterführende Informationen, Fragen oder Austausch stehen wir gerne zur Verfügung: office@coachfederation.at
Häufige Fragen
Ist Coaching in Österreich ein geschützter Begriff?
Nein. Der Begriff Coaching ist nicht geschützt. Umso wichtiger sind überprüfbare Qualitätsmerkmale wie Ausbildung, Zertifizierung und die Bindung an einen Ethikkodex. Informationen zum rechtlichen Rahmen finden Sie unter Coaching als Gewerbe.
Was bedeuten ACC, PCC und MCC?
Das sind die drei Zertifizierungsstufen der ICF. Der Associate Certified Coach (ACC) setzt mindestens 60 Stunden Ausbildung und 100 Stunden Coaching-Erfahrung voraus, der Professional Certified Coach (PCC) mindestens 125 Stunden Ausbildung und 500 Stunden Coaching-Erfahrung, der Master Certified Coach (MCC) eine PCC-Zertifizierung, mindestens 200 Stunden Ausbildung und 2.500 Stunden Coaching-Erfahrung. Dazu kommt jeweils eine Prüfung.
Wie finde ich einen zertifizierten Coach in Österreich?
Im Coach Finder von ICF Austria finden Sie Mitglieder mit ihren Schwerpunkten und Zertifizierungen. Führen Sie mit zwei oder drei Coaches ein Erstgespräch und achten Sie neben der Qualifikation auf die persönliche Passung.
Was kann ich tun, wenn ein ICF-Coach gegen Ethikrichtlinien verstößt?
Sie können innerhalb eines Jahres eine Beschwerde bei der ICF einbringen. Ein unabhängiges Gremium prüft den Fall im Rahmen des Ethical Conduct Review.
Quellen
- International Coaching Federation: ICF Code of Ethics, Fassung gültig seit 1. April 2025
- International Coaching Federation: Ethical Conduct Review Process
- International Coaching Federation: Renew Your Credential
- Jones, R. J., Woods, S. A. und Guillaume, Y. R. F. (2016): The effectiveness of workplace coaching: A meta-analysis of learning and performance outcomes from coaching. Journal of Occupational and Organizational Psychology, 89(2), 249–277. doi.org/10.1111/joop.12119
- Graßmann, C., Schölmerich, F. und Schermuly, C. C. (2020): The relationship between working alliance and client outcomes in coaching: A meta-analysis. Human Relations, 73(1), 35–58. doi.org/10.1177/0018726718819725




