Coaching – Exotische Dienstleistung oder tatsächlich Must-have?

Von Dr. Judith Girschik, Präsidentin ICF Austria

Noch vor wenigen Jahren galt Coaching in vielen Unternehmen als Nice-to-have – eine Investition, die man sich in guten Zeiten leistet, aber in Krisenzeiten als Erstes streicht. Heute zeichnet die Realität ein anderes Bild: Professionelles Coaching hat sich von der exotischen Einzelmaßnahme zum strategischen Instrument der Führungskräfteentwicklung gewandelt. Die Frage ist längst nicht mehr, ob Coaching wirkt, sondern wie Unternehmen es am wirksamsten einsetzen.

Coaching wirkt – und die Wissenschaft belegt es

Die wissenschaftliche Evidenz für die Wirksamkeit von Coaching ist mittlerweile beeindruckend. Eine Metaanalyse von Jones, Woods und Guillaume (2016), veröffentlicht im Journal of Occupational and Organizational Psychology, wertete 17 Studien aus und zeigte einen signifikanten positiven Effekt auf berufliche Leistung und Wohlbefinden (Effektstärke g = 0,36). Die Metaanalyse von Theeboom, Beersma und van Vianen (2014) bestätigte Effektstärken von g = 0,43 für Stressbewältigung bis g = 0,74 für zielgerichtete Selbstregulation.

Besonders aussagekräftig: Wang et al. (2022) analysierten ausschließlich randomisierte kontrollierte Studien – den Goldstandard der Wirksamkeitsforschung – und bestätigten mit einem Effekt von g = 0,51 über 20 Studien hinweg, dass Coaching am Arbeitsplatz einen moderaten, statistisch robusten Effekt erzielt. Zu den nachgewiesenen Wirkungen zählen verbesserte Selbstwirksamkeit, höhere Zielerreichung, geringerer Stress und Burnout sowie eine messbar höhere Arbeitszufriedenheit.

Eine aktuelle deutschsprachige Metaanalyse von Kotte et al. (2024), veröffentlicht in Organisationsberatung, Supervision, Coaching, zeigt zudem mittlere bis starke Effekte für professionelles systemisches Coaching – mit einem entscheidenden Faktor: Externe, qualifizierte Coaches erzielen größere Effekte als interne Coaches.

Von der Nische zum globalen Milliarden-Markt

Auch die Marktentwicklung spricht eine klare Sprache. Laut der ICF Global Coaching Study 2023 ist die Coaching-Branche auf ein geschätztes Marktvolumen von 5,34 Milliarden US-Dollar gewachsen – ein Anstieg von 60 Prozent gegenüber 2019. Die Zahl der professionellen Coaches weltweit stieg im selben Zeitraum um 54 Prozent auf über 109.000. Unternehmen investieren zunehmend in Coaching, weil sie den konkreten Nutzen für ihre Organisation erkennen.

Warum Qualität den Unterschied macht

Nicht jedes Coaching ist gleich wirksam. Die Forschung zeigt deutlich: Die Qualifikation und Professionalität des Coaches machen den entscheidenden Unterschied. Genau hier setzt die International Coaching Federation (ICF) an. Als weltweit größter Berufsverband für professionelle Coaches sorgt die ICF mit ihren Zertifizierungsstandards – ACC, PCC und MCC – dafür, dass Coaching auf evidenzbasierten Kernkompetenzen beruht und ethische Richtlinien eingehalten werden.

Die ICF-Ethikrichtlinien umfassen unter anderem strikte Verschwiegenheitspflichten, den verantwortungsvollen Umgang mit Klientendaten und den transparenten Umgang mit Interessenskonflikten. Wer einen ICF-zertifizierten Coach sucht, findet über unseren Coach Finder qualifizierte Expertinnen und Experten in Österreich. Auch die Wahl des richtigen Coaches will gut überlegt sein – wir unterstützen Sie dabei.

Der Weg zum professionellen Coach

Die steigende Nachfrage nach Coaching eröffnet auch für angehende Coaches spannende Perspektiven. Wer selbst den Weg in den Coaching-Beruf einschlagen möchte, findet bei ICF Austria umfassende Informationen zu Zertifizierung und Credentialing sowie zu akkreditierten Ausbildungsprogrammen. Auch die rechtlichen Rahmenbedingungen für Coaching in Österreich sind ein wichtiger Aspekt, den es zu berücksichtigen gilt.

Coaching wird zur Selbstverständlichkeit

Wir beobachten eine zunehmende Demokratisierung des Coachings. Während professionelles Coaching bis vor wenigen Jahren der oberen Managementebene großer Organisationen vorbehalten war, stellen heute immer mehr Unternehmen auch ihren Expertinnen und Experten sowie dem mittleren Management gezielt Coaches zur Seite. Diese Entwicklung gibt einer wachsenden Anzahl von Menschen wertvolle Impulse für anstehende Entscheidungen, das Führen von Teams und das Lösen von Konflikten.

Mein Fazit als Präsidentin von ICF Austria: Coaching ist kein exotisches Experiment mehr, sondern ein unverzichtbares Werkzeug moderner Führung. Die Frage für Unternehmen lautet nicht mehr „Können wir uns Coaching leisten?”, sondern: „Können wir es uns leisten, darauf zu verzichten?”

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Das vollständige Interview lesen Sie im Artikel auf Top-Leader.at.


Quellen

  • Jones, R. J., Woods, S. A. & Guillaume, Y. R. F. (2016). The effectiveness of workplace coaching: A meta-analysis. Journal of Occupational and Organizational Psychology, 89(2), 249–277.
  • Theeboom, T., Beersma, B. & van Vianen, A. E. M. (2014). Does coaching work? A meta-analysis. The Journal of Positive Psychology, 9(1), 1–18.
  • Wang, Q., Lai, Y. L., Xu, X. & McDowall, A. (2022). What Can We Know about the Effectiveness of Coaching? Academy of Management Learning & Education, 22(3).
  • Kotte, S. et al. (2024). Zur Wirksamkeit von systemischem Coaching – Eine Metaanalyse. Organisationsberatung, Supervision, Coaching.
  • International Coaching Federation (2023). ICF Global Coaching Study – Executive Summary.